Kurt-Wolff-Preis 2012

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Zeitgenössische afrikanische Literatur bei Wunderhorn

Neue Buchreihe AfrikAWunderhorn startet im Frühjahr 2010.

Fotos: Andrew Tshabangu

Durch Mauern sehen ...

In der Reihe »AfrikAWunderhorn« werden pro Jahr zwei bis drei Titel mit zeitgenössischer afrikanischer Literatur erscheinen. Der Verlag veröffentlichte bisher in seinem internationalen Programm Literatur aus Nordafrika (z. B. Abdelwahab Meddeb) und begibt sich nun auf eine Reise in den Süden Afrikas.

2010 wird sich alles oder vieles um die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika drehen. Wir werden der Literatur einen Vorzugsplatz einräumen und starten daher die Reihe mit zwei der wichtigsten zeitgenössischen Stimmen aus Südafrika: Mit Lebogang Mashiles Gedichtband »Töchter von morgen« (Originaltitel: »In a Ribbon of Rhythm«), aus dem Englischen übersetzt von Arne Rautenberg und mit dem Roman» Die stille Gewalt der Träume« (Originaltitel: »The Quiet Violence of Dreams«) des 2005 verstorbenen K. Sello Duiker, übersetzt aus dem Englischen von Judith Reker. Als Reihenherausgeberin konnte der Verlag die seit vielen Jahren mit afrikanischen Künstlerinnen und Künstlern arbeitende Literaturwissenschaftlerin
Indra Wussow gewinnen.

Lebogang Mashile

Lebogang Mashile
Töchter von morgen
Gedichte
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Lebogang Mashile (geb. 1979 in den USA) ist eine der wichtigsten Poetry Performerinnen Südafrikas. Ihre Themen sind Spiritualität, Identität, Gender und die soziopolitischen Verhältnisse Südafrikas. Mit ihren Veröffentlichungen und Auftritten hat sie vor allem die jüngere weibliche Lyrik Südafrikas maßgeblich geprägt. Mashiles kraftvoll poetische Sprache ist von außerordentlicher Musikalität. 2003 war sie Mitbegründerin des Feela Sistah! Spoken Word Collective, das schnell große Popularität erlangte. 2004 debütierte sie als Schauspielerin in dem mehrfach für den Oscar nominierten Film »Hotel Ruanda«. 2008 spielte sie beim Standard Bank National Arts Festival in der Bühnenbearbeitung von K. Sello Duikers Roman »The Quiet Violence of Dreams« als Mmabatho die einzige weibliche Rolle. 2009 produzierte sie zusammen mit der Choreographin Sylvia Glasser »Threads«: eine Dichtung, Tanz und Musik verbindende Performance zur Feier des 30. Geburtstags der international preisgekrönten »Moving Into Dance Company«. 2006 erhielt sie den hochdotierten, jährlich an afrikanische Schriftsteller/innen vergebenen NOMA-Preis für ihren 2005 erschienenen ersten Gedichtband »In a Ribbon of Rhythm«. Mashile lebt in Johannesburg.


K. Sello Duiker

Die Stille Gewalt der Träume

K. Sello Duiker
Die Stille Gewalt der Träume
Roman
Mehr über das Buch

K. Sello Duiker (eigentlich Kabelo Duiker) wurde 1974 in Soweto, Südafrika geboren. Sein Debütroman »Thirteen Cents« wurde im Jahr 2001 mit dem Commonwealth Writers Prize in der Kategorie Bester Erstlingsroman – Afrika ausgezeichnet. Sein zweiter Roman »The Quiet Violence Of Dreams« erschien 2002 und wurde von der internationalen Presse begeistert aufgenommen. Duiker erhielt dafür den Herman Charles Bosman-Preis. 2003 hatte er ein Literaturstipendium der Stiftung kunst:raum sylt quelle. Im Januar 2005 nahm sich K. Sello Duiker das Leben. In seinem Roman zeichnet K. Sello Duiker ein aktuelles Bild südafrikanischer städtischer Kultur. Die Handlung spielt in Cape Town, der zweitgrößten Stadt in Südafrika. Tshepo, ein Student, wird nach einer drogenbedingten Psychose in die Psychiatrie eingeliefert. Nach seiner Flucht und Rückführung beginnt er eine Behandlung, die zur Heilung führt. Er beendet sein Studium und teilt sich eine Wohnung mit einem Ex-Kriminellen. Tschepo verliert seine Arbeit und landet als Callboy in einem Massage-Salon. Seine Kunden sind meist Weiße. Seine Arbeit bringt ihn zur Reflexion über seine Sexualität und schwarze Homosexualität, seinen Platz in dieser Welt; auch setzt er sich mit der Frage der Männlichkeit in der südafrikanischen Post-Apartheid-Gesellschaft auseinander. Parallel zu Tschepos Leben erzählt K. Sello Duiker die Erfahrungen von Tshepos Studienfreundin Mmabatho, die einen deutschen Freund hat, von dem sie ungewollt schwanger wird. Ihm gelingt so auf eindrucksvolle Weise eine Zustandsbeschreibung aktueller städtischer Milieus in Südafrika.


Die Übersetzerin:

Judith Reker, Jahrgang 1967, streift am liebsten durch Ost- und Zentralafrika. Lebt in Johannesburg. Studium in London und Ägypten – Arabistik, Judaistik und Geschichte. Bis zur Entscheidung für ein Leben als freie Korrespondentin war sie mare-Redakteurin für Politik und Gesellschaft.

Die Herausgeberin:

Indra Wussow studierte Literaturwissenschaft, lebt in Johannesburg/Südafrikaund auf Sylt. Sie arbeitet als Autorin, literarische Übersetzerin und Kuratorin für verschiedene internationale Institutionen. 2002 gründete Indra Wussow auf Sylt die von ihr geleitete Stiftung kunst:raum sylt quelle, die mit Stipendien, Ausstellungen, Aufführungen und Veröffentlichungen zeitgenössische Künstler/innen und Schriftsteller/innen unterschiedlicher Nationen sowie den Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst fördert. 2008 eröffnete die Stiftung eine Dependance in Johannesburg, das Jozi art:lab.