Künstler: Serena Amrein

Serena Amrein. gespannt

2006 - 2014

96 Seiten, Broschur
Erscheinungsjahr: 2015 | ISBN: 978-3-88423-505-8

19,80 EUR inkl. 7% gesetzl. MWSt

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Über dieses Buch

Das Nachdenken über die eigene künstlerische Sprache führte bei Amrein zum Verzicht auf die Darstellung von Dingen. Einen konkreten Gegenstand kennt Amreins Kunst nicht und ein solcher lässt sich in ihren Arbeiten auch nicht fassen.

Fortwährend kreist sie um den Pol der Darstellung des Nicht-Darstellbaren und des Experiments. Experimentieren heißt, Fragen ins Ungewisse zu stellen und „Techniken“ zu entwickeln, die auf die Epiphanie des Unbekannten zielen. Flächen, Linien und Raster markieren das Gelände, auf dem Serena Amrein ihr Experiment durchführt. Die deutsch-schweizerische Konzeptkünstlerin teilt ihre Pigmentierarbeiten von 2006 bis 2014 in Ordnungsprinzipien ein: Klang, Takt, Volumen, Selbst. Klang: Sämtliche bildliche Zeichen in den Pigmentarbeiten von 2006 bis 2014 sind nicht mit dem Zeichenstift oder dem Pinsel gezogen. Vielmehr sind sie durch Schwingungen auf den Bildträger gekommen und damit dem Klang, der wie der Schall aus Schwingungen entsteht, vergleichbar. In Schwingung versetzt Amrein Schnüre, Seile oder Taue, die sie mit Farbpigment bestäubt oder getränkt hat. Takt: Sie berührt mit ihren Instrumenten, Schlagschnüre, Taue und Seile, den Bildträger und bringt dadurch Pigmente auf; nicht willkürlich, sondern nach präzisen Vorgaben der Künstlerin. Die Linien wirken nicht statisch, sondern bewegt, als ein Fortschreiten in waagerechter Richtung oder in der Zeit. Volumen: Mit ihrer mit Schwung- und Schwerkraft agierenden Malaktion gelingt es der Künstlerin, ihrer Malerei Volumen, Stofflichkeit und Körperlichkeit zu geben. Neben seiner Funktion als optisch wahrnehmbares Zeichenmittel gewinnt das Pigment haptische Qualitäten und wirkt als amorphe Masse von samtener oder pudriger Konsistenz. Selbst: Die Hand ist in der Gleichung von Amreins abstraktem Experiment die Unbekannte. Dank des mechanischen Hilfsmittels von in definierten Abständen an Nägeln gespannten Schnüren erreicht Amrein eine Art Vervollkommnung. Es gelingt ihr dadurch, ihren Duktus, also die an ihre Künstlerhand gebundene Handschrift, aus dem Bildentstehungsprozess zu eliminieren und den zeichnerischen oder malerischen Akt als solchen frei von emotionellem oder symbolischem Gehalt zu zeigen.