Reis & Asche

Roman

224 Seiten, gebunden
Erscheinungsjahr: 2016 | ISBN: 978-3-88423-520-1

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ISBN 978-3-88423-521-8

Über dieses Buch

2014 veröffentlichte die indische Autorin Meena Kandasamy auf Englisch den Roman The Gypsy Goddess, der hier nun in deutscher Übersetzung geboten wird. Sie erzählt darin von dem Massaker in Kilvenmani (Süd-Indien), bei dem 1968 zweiundvierzig landlose Dalit (›Unberührbare‹), Landarbeiter, in einer Hütte verbrannt wurden. Kinder und Frauen wurden nicht geschont.

Die Mörder wurden von Grundbesitzern beauftragt. Eine Strafaktion gegen den Anspruch der Landarbeiter auf bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen. Sie hatten sich der kommunistischen Partei angeschlossen und das Undenkbare gewagt: die Stimme zu erheben. Ihre Bitte um eine halbe Portion Reis mehr am Tag führte zu ihrer Ermordung. Aber was heißt, Kandasamy erzählt? Kann sie das, die 16 Jahre nach dem Massaker Geborene, der die Geschichte nur durch mündliche Berichte, Zeitungsartikel und Gerichtsakten zugänglich ist? Das Archivierte zeugt von einem Justizskandal. Polizei, Politiker und Richter waren auf Seiten der Grundbesitzer und setzten sich brutal gegen die Unberührbaren durch, deren Ohnmacht und Schweigen ein weiteres Mal besiegelt wird. Einen Roman zu veröffentlichen ist ein Akt bürgerlicher Souveränität, eine Möglichkeit, die eine entscheidende Differenz markiert zu den Menschen, denen Kandasamy sich widmen will. Sie ist auf der anderen Seite, verfügt über die Macht der Sprache und des Wissens. Kandasamy zerstört lustvoll alle Erwartungshaltungen an Form und Sprache, kokettiert nicht mit Exotismus oder geübtem Storytelling. Und gibt dem Ernst und der Tragik der Geschichte auf paradoxe Weise eine kraftvolle zusätzliche Dimension. Kollektiver Widerstand und individuelles Handeln erhalten als Geschichte und literarisches Szenario neue Brisanz. »Dieses Buch ist einfallslos und es fehlen ihm Ordnung, System, Reihenfolge und Resultat; es ist weder lebensnah noch erregend, bewegend oder wirklichkeitsgetreu; die Darstellung der Figuren ist wirr, und ihre Worte und Taten beweisen, dass sie nicht so sind wie die Autorin behauptet; der Humor ist zum Weinen und das Pathos ist lustig; die Gespräche sind - ach, unbeschreiblich, und die Liebesszenen widerlich; das Englisch ein Verbrechen an der Sprache.« (Meena Kandasamy)

Presse

»Was sie vor allem aber unterscheidet ist der Furor, mit dem sie zu Werke geht. Sie will aufrütteln und verstören« DLF

»der literarischen und sprachlichen Wucht von Kandasamys Buch, das Claudia Wenner in ein kraftvolles Deutsch übertragen hat, kann man sich nur schwer entziehen« NZZ

»REIS & ASCHE ist nicht allein ein durch und durch politischer, sondern auch ein herausfordernd experimenteller Roman.« DR Kultur

»Gewaltig….Gypsy Goddess hat einen lyrisch, radikalen Kern der einen mutigen Blick auf die Beziehung zwischen Armut und Macht wirft.« Guardian

SWR2 Buch der Woche vom 11.07.2016

Lesungen

4.5. Landesvertretung Bremen, Berlin
11.5. Interkulturelles Zentrum, Heidelberg
12.5. Literarisches Colloquium, Berlin
19.5. Literaturwerkstatt Berlin
29.5. Poetry on the road, Bremen

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Autor

Meena Kandasamy, geboren 1984 in Indien, ist Lyrikerin, Übersetzerin, Aktivistin und Doktorin für Linguistik. Sie thematisiert in ihren Gedichten die Rechte der Frauen, das Kastensystem im heutigen Indien, Prostitution und Gewalt. Durch ihr mutiges und engagiertes Auftreten, nicht erst seit der Herausgabe ihrer Gedichtbände, ist sie ständigen Diffamierungen und Bedrohungen ausgesetzt. Sie lebt heute in Chennai, Indien.

Übersetzung

Claudia Wenner, promovierte Literaturwissenschaftlerin, Literaturkritikerin, Herausgeberin, übersetzte u.a. Virginia Woolf, Raymond Carver und Quentin Bell. 1998 ging sie als DAAD-Lektorin nach Delhi und widmet sich seither indischer Kultur. Für die Neue Zürcher Zeitung schreibt sie regelmäßig über Indien. Sie lebt im südindischen Pondicherry und in Frankfurt.