Die Zeit der Mörder

Erinnerungen aus dem Gefängnis

400 Seiten, gebunden
Erscheinungsjahr: 2017 | ISBN: 978-3-88423-570-6

28,00 EUR inkl. 7% gesetzl. MWSt

Bestellen sofort lieferbar

Auch als e-Book erhältlich bei Ihrem e-Book-Shop
16,99 EUR inkl. 19% gesetzl. MWSt
ISBN 978-3-88423-571-3

Über dieses Buch

Philippe Soupault war 1938 von Léon Blum, dem ersten sozialistischen Premierminister Frankreichs, beauftragt worden, in Tunis eine Radiostation aufzubauen, Radio Tunis, um der Propaganda der italienischen Faschisten, die über Radio Bari Nordafrika erreichte, etwas entgegenzusetzen. Tunesien war damals französisches Protektorat.

Der Überfall Hitlers auf Frankreich 1940 und die Besetzung Frankreichs und das damit verbundene Vichy-Regime unter Marschall Pétain hatten daher auch Folgen für Tunesien. Der Antifaschist Soupault wurde umgehend seines Postens als Direktor von Radio Tunis enthoben. 1942 wurde er denunziert, im März wegen Hochverrats verhaftet und in das Gefängnis von Tunis gebracht. Im September 1942 wurde er in die vorläufige Freiheit entlassen und konnte zusammen mit seiner Frau Ré am 13. November 1942 von Tunis nach Algier fliehen, bevor am nächsten Tag die Stadt von den Nazi-Truppen unter Marschall Rommel besetzt wurde. »Die Zeit der Mörder« ist ein außergewöhnliches Zeitdokument, in dem der Autor seine Mitgefangenen, seien es gewöhnliche Kriminelle oder Widerstandskämpfer, porträtiert, über die Demütigungen und Erniedrigungen berichtet, die sie Tag für Tag erleiden müssen. Er beschreibt den Gefängnisalltag, wird zum Vertrauten der Gefangenen, die es seltsam finden, dass er Bücher liest. In seinen Beschreibungen steckt seine ganze Verachtung für das faschistische Regime und deren menschenverachtendes System. »Die Zeit der Mörder« ist eine Zeitkapsel von besonders erschreckender Aktualität. Vom Autor schon 1945 in den USA veröffentlicht, wurde das Buch erst 2015 in Frankreich publiziert.

Autor

Philippe Soupault wurde am 2. August 1897 in Chaville bei Paris geboren. Über Guillaume Apollinaire lernte er 1917 André Breton kennen. Zusammen mit André Breton und Louis Aragon war er Initiator der surrealistischen Bewegung, entzog sich jedoch schon bald deren Gruppenzwang, um eigene Wege zu gehen. Er wurde Verleger und Herausgeber von Zeitschriften. In den dreißiger und vierziger Jahren arbeitete Soupault als Journalist, später war er UNESCO-Beauftragter und Radio-Produzent. Am 12. März 1990 starb er zweiundneunzigjährig in Paris. Seit 1981 publiziert der Verlag eine Soupault-Werkausgabe.

Übersetzung

Holger Fock, geb. 1958 in Ludwigsburg, studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Philosophie und übersetzt seit 1983 französische Literatur, u.a. Gegenwartsautoren wie Cécile Wajsbrot, Andreï Makine (beide zusammen mit Sabine Müller), Pierre Michon und Antoine Volodine. 2011 Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis.

Sabine Müller, geb. 1959 in Lauffen/Neckar, Studium der Germanistik, Philosophie, Pädagogik in München, Erlangen und Bonn. Übersetzt Belletristik und Wissenschaft aus dem Französischen und Englischen, u.a. Andrei Makine, Cecile Wajsbrot, Erik Orsenna, Philippe Grimbert, Annie Leclerc, Alain Mabanckou. Zahlreiche Stipendien des Landes Baden-Württemberg, des Deutschen Übersetzerfonds und der Berliner Übersetzerwerkstatt, 2011 Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis.