Überall Verwüstung. Abends Kino

Reisetagebuch

128 Seiten, gebundenErscheinungsjahr: 2022 | sofort lieferbar | ISBN: 978-3-88423-664-2 | 22,00 EUR
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ISBN 978-3-88423-665-9

Über dieses Buch

Am 16. Oktober 1951 ist Ré Soupault – nach 1.500 Kilometern Reiseweg – zurück in Basel. Ihr Tagebuch ist die Zeitkapsel einer Reise durch das vom Krieg zerstörte Elsass, Saarland und Süddeutschland.
 Mit einem Velosolex, einem motorisierten Fahrrad, das einen klappbaren Zweitakt-Hilfsmotor besaß, hatte sie sich nach einem Besuch bei Verwandten in Rheinland-Pfalz auf den Weg zu geschäftlichen Terminen nach Stuttgart und München gemacht.

Die Reisegeschwindigkeit des Velosolex lag bei 15 bis 20 Stundenkilometern. Preiswert war es, da eine Zwei-Liter-Mischung aus Öl und Benzin für 300 Kilometer reichte. Es hatte keinen Tacho, keinen Rückspiegel, keine Federung, keine Satteltaschen. Ihr wichtigstes Gepäckstück trug Ré Soupault dennoch stets bei sich: ihre Reiseschreibmaschine. Mit ihr hielt sie ihre Reise fest, die Begegnungen auf der Landstraße, die Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten, ihre Arbeit beim Süddeutschen Rundfunk, die Theaterabende in Stuttgart, bei denen sie Lil Dagover kennenlernte. Ihre herbe Beschreibung Münchens und seiner vollen Biergärten, ihre Landschaftseindrücke zeichnen das Bild eines immer noch zerstörten Deutschlands, das verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Identität ist. Und immer wieder hört sie in sich hinein, von Selbstzweifeln geprägt, was dieser unmenschliche Krieg mit ihr, der Deutschen, der Antifaschistin, durch ihre Eheschließung mit Philippe Soupault zur Französin geworden, angestellt hat.
Das Reisetagebuch einer außerordentlich mutigen Frau, die 1951 auf einem Velosolex das Land erfährt.

Ihre Fahrt führt sie von Basel über Sélestat – Colmar – Saverne – Sarre Union – Sarreguemines – Saarbrücken – Schmelz-Bettingen – Dillingen – Trier – Wittlich – Kirchberg – Bingen – Stuttgart – Ulm – Günzburg – Augsburg – München – Landsberg/Lech – Kaufbeuren – Kempten – Immenstadt – Oberstdorf – Sonthofen – Lindau – Meersburg – Engen – Donaueschingen – Neustadt – Titisee – Feldberg – Lörrach nach St. Louis (bei Basel).

Ré Soupault

Ré Soupault
© Manfred Metzner

Ré Soupault, geboren 1901 als Erna Niemeyer in Pommern, arbeitete bereits während ihres Studiums 1921-1925 am Bauhaus in Weimar. Über ihren Mann, dem Dadaisten und Filmkünstler Hans Richter lernte sie u.a. Man Ray und Sergeij Eisenstein kennen. 1931 gründete sie in Paris ihr erstes eigenes Modestudio »Ré Sport«. Im Kreis der Pariser künstlerischen Avantgarde traf sie ihren späteren Ehemann Phillipe Soupault. Mit ihm unternahm sie ab Mitte der dreißiger Jahre zahlreiche Reisen durch Europa und Amerika, wo sie seine Reportagen fotografisch begleitete. Seit 1948 wieder in Europa, arbeitete sie als Übersetzerin und Rundfunkautorin. Sie starb 1996 in Paris.

Manfred Metzner

© Isolde Ohlbaum

Manfred Metzner lebt als Verleger und Rechtsanwalt in Heidelberg. Er ist Herausgeber der Philippe-Soupault-Werkausgabe und des Werks von Ré Soupault.