Von meinen Besitztümern

Jiddische Erzählungen

260 Seiten, broschiertErscheinungsjahr: 2024 | sofort lieferbar | ISBN: 978-3-88423-697-0 | 26,00 EUR
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ISBN 978-3-88423-705-2

Über dieses Buch

1929 veröffentlichte der jiddisch-russische Schriftsteller Der Nister seine letzte Sammlung symbolistischer Erzählungen, Fun mayne Giter (Von meinen Besitztümern), die zwischen 1923 und 1929 geschrieben wurden, in einer der kritischsten und instabilsten Perioden sowohl in Westeuropa als auch in der neu gegründeten Sowjetunion. Kurz danach wurde er wegen seines idiosynkratischen, symbolistischen Stils von sowjetischen Literaturkritikern scharf angegriffen, und ihm wurde für ein Jahrzehnt jede Veröffentlichungsmöglichkeit verwehrt. Das Aufeinanderprallen seiner elitären, beinahe religiösen Auffassung von Literatur mit der alltäglichen, rauen Realität des Literaturmarktes in der jungen Sowjetunion, zeichnet das Schaffen Des Nisters in den 1920iger Jahren aus. Im Mittelpunkt seiner damals heftig kritisierten Erzählung Unterm Zaun setzt er sich u.a. mit diesem Thema auseinander.

Nisters Erzählung Von meinen Besitztümern wiederum ist die Auseinandersetzung mit einer gewalttätigen, unausweichbaren Macht, die das Individuum bedroht und ihm seine nackte Existenz abspricht, und somit eine erschütternde und nicht allzu verschlüsselte Anklage gegen den sowjetischen Staat. Doch finden sich auch unerwartete Themen in dieser Sammlung von Erzählungen, wie z.B. die leichtfüßige, märchenhafte Stimmung in der Geschichte vom Grünen Mann, die die emphatische Sensibilität des Autors für die Natur und ihre Kreaturen offenbart. Die Erzählung Zigeuner ist eine furiose Groteske, in der der Autor mit einer Prise scharfen Humors Vorurteile gegenüber Minderheiten entkräftet.

Zum ersten Mal aus dem Jiddischen übersetzt, stellt Von meinen Besitztümern einen Höhepunkt im literarischen Schaffen des Nisters, der zweifellos einer der großen Protagonisten der jiddisch-russischen modernen Literatur ist, dar. Sein eigenartiger Stil bündelt archaische Formen der jüdischen literarischen Tradition mit den hypnotischen Rhythmen der Russischen Symbolisten und einer kafkaesken Modernität.

Ins Buch blättern

Presse

»Der originellste und einsamste unter ihnen war eben der Nister, der Kafka der jiddischen Literatur. Seine bewegenden, anspielungsreichen und darum oft rätselhaften Erzählungen über metaphysische Verlorenheit schrieb er zwischen 1907 und 1929 in Schytomyr, Kiew, Moskau und Berlin. Sie gelten schon seit Jahrzehnten unter sprachmächtigen Literaturgelehrten als Crème der jiddischen Moderne.« Susanne Klingenstein, FAZ

Der Nister

Der Jiddisch-russische Schriftsteller Pinchas Kahanovitsch, bekannt unter seinem Pseudonym Der Nister (Jiddisch: Der Verborgene), wurde 1884 in Berditschew (Ukraine) geboren. 1907 veröffentlichte er sein erstes literarisches Werk, arbeitete in Moskau und verbrachte Teile seines unsteten Lebens Mitte der 1920er Jahre auch in Berlin und Hamburg. Im Rahmen der stalinistischen Verhaftungswellen gegen jiddische Schriftsteller ab Mitte der 1930er Jahre war Der Nister einer der letzten, der 1949 von der Geheimpolizei in den Gulag verbracht wurde, wo er 1950 starb. Bis dahin konnte er zwei Sammlungen Erzählungen (Gedacht und Fun mayne Giter) und einen Familienroman (Die Brüder Maschber) veröffentlichen. Außerdem erschienen Geschichten für Kinder (illustriert von Marc Chagall), Gedichte und Berichte, auch zum Holocaust.

Daniela Mantovan

Daniela Mantovan (PhD in Yiddish Studies an der Columbia University New York) war Leiterin eines Forschungsprojekts über jiddische Publizistik am Slavischen Institut der Universität Heidelberg. Als Dozentin für jiddische Literatur und Sprache an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg hat sie zu jiddisch-sowjetischer Literatur veröffentlicht, einige Bände jiddisch-literarischer Studien herausgegeben und Werke jiddischer Schriftsteller, u.a. von Der Nister und Dovid Bergelson, ins Italienische und Deutsche übersetzt.