Briefe in die Ukraine

120 Seiten, KlappenbroschurISBN: 978-3-88423-751-9
EUR 24,00 (D) erscheint: Juni 2026
Briefe in die Ukraine

Über dieses Buch

Juri Andruchowytsch zählt weltweit zu den wichtigsten Stimmen der Ukraine. Dass seine literarische Karriere als junger Dichter begann, ist hier weniger bekannt. Der von ihm und dem amerikanischen Slawisten Adrian Wanner zusammengestellte Band enthält eine Auswahl seiner Gedichte aus allen Zyklen, die er noch während der Sowjetzeit, in seinen Studienjahren in Lemberg und Moskau und nach Gründung der legendären literarischen Perfomance-Gruppe Bu-Ba-Bu zwischen 1980 und 1990 geschrieben hat. Sie zeugen von einer beeindruckenden stilistischen Vielfalt im Lyrischen, wobei Autor und Übersetzer sich auf ein formales Kriterium geeinigt hatten: Es wurden nur Gedichte mit Reimen und regelmäßigem Versmaß ausgewählt. Eine Herausforderung für den Übersetzer, die dieser brilliant gemeistert hat.

Mal in leiseren Tönen geschrieben, so »Der Baum hat die Wolke mit Zweigen erfasst« im Debütband Himmel und Plätze, in seiner Ode an die Jerewanska-Straße, oder »Der Dichter fragt: Wo ist das Vaterland zu finden« im Zyklus Stadtmitte. Mal in burlesken, nostalgischen Tönen, wenn er dem »Zirkus Vagabundo« im Zyklus Exotische Vögel und Pflanzen ein Denkmal setzt. Im titelgebenden Briefe in die Ukraine wird der romantische Teufel spürbar, wenn er hingebungsvoll die Vorzüge seiner ukrainischen Heimat preist. Und der junge Dichter gerät zum Propheten, mit der Forderung, die Ukraine muss selbständig werden, weil der von ihm im Herbst 1990 auf seinen langen Wanderungen beobachtete Zerfall der imperialen Metropole für ihn nichts Gutes verhieß. Die »Briefe in die Ukraine«, vom jungen Dichter Andruchowytsch verfasst, sind ebenso prophetisch wie hochaktuell, sie wurden vom Autor immer wieder überarbeitet, auch für die vorliegende Ausgabe. So hat die glücklich in eine andere Sprache umgesiedelte Materie erneut ihre eigenen Grenzen überwunden und schafft einen neuen Zugang zu Juri Andruchowytschs vielgestaltigem Werk.

Juri Andruchowytsch

© Sofia Solar

Juri Andruchowytsch ist ukrainischer Schriftsteller, er wurde 1960 in Stanislau (heute Iwano-Frankiwsk) geboren. 1985 gründete er zusammen mit seinen Freunden Oleksander Irwanets und Viktor Neborak die legendäre literarische Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu. Bisher hat er sechs Gedichtbände sowie sieben Romane veröffentlicht, schreibt literarische Essays und übersetzt aus dem Deutschen, Polnischen, Russischen und Englischen. Andruchowytsch wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (2006), Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken (2014), Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf (2022) und dem Stefan-Heym- Preis der Stadt Chemnitz (2026). Seine Texte sind in 25 Sprachen übersetzt.

Adrian Wanner

Adrian Wanner, geboren 1960 in Bern, ist Professor für Slawistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Pennsylvania State University, USA. Er ist Verfasser zahlreicher Fachbücher und Aufsätze in englischer Sprache. Zudem hat er mehrere russische und ukrainische Lyriker ins Deutsche übertragen, darunter Aleksandr Blok, Innokentij Annenskij, Wladislaw Chodasewitsch, Pawlo Tytschyna, Maksym Rylsky und Bohdan-Ihor Antonytsch.

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