2022

  1. Alfred-Gruber-Preis für Paul-Henri Campbell

    Paul-Henri Campbell wurde für seine Lyrik mit dem Alfred-Gruber-Preis ausgezeichnet – wir gratulieren ganz herzlich! In der Begründung der Jury heißt es: »In seinen Gedichten begibt sich Paul-Henri Campbell auf Spurensuche. An der Haut, den Oberflächen, den Rinden, Hüllen und Blättern hält er sich auf, um sie wahrzunehmen, zu lesen, schreibend neu auszulegen und damit wiederum lesbar werden zu lassen: für uns, die wir diese Gedichte lesen und hören können, zum Glück. Die Gedichte machen allerdings deutlich, dass sie in ihrer Struktur und in der Beschreibung verletzlicher und verletzter Hüllen und Oberflächen doch immer wieder Haltepunkte finden, Erinnerungen hervorkehren, Sinnliches spürbar werden lassen, wieder und wieder. Campbells Gedichte sind Provokationen: Sie rufen Bilder auf, sie berühren, durch Sprache, sie kitzeln und sind deshalb, gelegentlich, auch komisch.«
  2. Emmy Hennings, Hugo Ball: »Seiltänzer noch im Dunkeln«

    Als »Seiltänzer noch im Dunkeln« hat Hugo Ball sich selbst und Emmy Hennings viele Jahre nach der Zeit ihres Kennenlernens bezeichnet. Eine Zeit, die genau einzugrenzen schwerfällt, da Ball nichts darüber hinterlassen hat. Hennings jedoch erzählte nach Balls frühem Tod immer wieder von dieser prägenden und ihr Leben verändernden Begegnung, von seinem »Ruf« und ihrem »Echo«. Zwölf Jahre rastloses Leben und Arbeiten. Gemeinsam – aber auch immer wieder getrennt, denn ihre Liebe verträgt Abstand oft besser als Zusammenleben, wenn die Sehnsucht sie zur Feder greifen lässt, zur Schreibmaschine, um ihr unterbrochenes Gespräch in Briefen und Gedichten fortzusetzen. Herausgeberin Bärbel Reetz hat zahlreiche dieser Gedichte und Briefe zusammengestellt und mit Zeichnungen Hugo Balls versehen.

  3. Ré Soupault: »Überall Verwüstung. Abends Kino«

    Ré Soupault kehrt im Oktober 1951 – nach 1.500 Kilometern Reiseweg –  nach Basel zurück. Mit ihrem Vélosolex, einem Fahrrad mit Hilfsmotor, und ihrem wichtigstes Gepäckstück, einer Reiseschreibmaschine, hatte sie das vom Krieg zerstörte Elsass, Saarland und Süddeutschland bereist.
    Ihre Tagebucheintragungen zeichnen das Bild eines immer noch zerstörten Deutschlands, das verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Identität ist.
    Das Reisetagebuch einer außerordentlich mutigen Frau, die 1951 auf einem Vélosolex das Land erfährt.

  4. Tamara Štajner »Schlupflöcher«

    Schlupflöcher, das Lyrik-Debüt der klassischen Violistin und Autorin Tamara Štajner! Ihre Gedichte lassen sich sowohl in Textform als auch akustisch genießen, denn sie legt ihre poetischen Texte mit musikalischen Vortragsanweisungen an. Dieser Entstehungsprozess lässt sich auf der Ausklappseite exemplarisch nachvollziehen. QR-Codes ermöglichen den Zugang zu Video- und Audio-Versionen der Texte. Thematisch verhandeln die Gedichte auf vielfältige Art und Weise Tamara Štajners slowenische Herkunft. Darüberhinaus bewegen sich die Gedichte in Szenen eines professionellen Wiener Künstlerinnenlebens der Gegenwart mit all seinen ästhetischen, sinnlichen wie existenziellen Verflechtungen.

  5. Angelika Dirscherl »ECHT JETZT?«

    Angelika Dirscherl sammelt alles, was nach Papier aussieht, riecht und schmeckt. Plakate, Postkarten, Einkaufszettel, Quittungen, Schnipsel aller Art macht sie zu Kunstwerken. »Der Abfall der Welt wird zu meiner Kunst«, dieses Zitat des Dadaisten Kurt Schwitters ist für Angelika Dirscherls Arbeit wegweisend. So bestehen viele ihrer Collagen, Papierobjekte, Schriftblätter, Zeichnungen, und Kunstobjekte aus gesammelten Erinnerungen. Fantastisch gearbeitet und verspielt kombiniert erzählen Dirscherls Werke die Geschichte neu und werden zu echter Kunst im Hier und Jetzt. Die Begleitpublikation ECHT JETZT? zu Angelika Dirscherls gleichnamiger Ausstellung im Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg.

  6. VERSschmuggel / Кантрабанда паэзіі

    VERSschmuggel erhielt durch die Zusammenarbeit mit Autor*innen aus einem Land, in dem politisch Unliebsame und Andersdenkende verfolgt werden, in Teilen eine erschreckend wörtliche Dimension. Doch es ist geglückt: Sechs deutschsprachige trafen in virtuellen Räumen auf sechs belarussische Dichter*innen. Sie alle tauchten ein in die poetisch und kulturell reichen und mutigen Verse ihrer Gegenüber. Die Ergebnisse dieses intensiven Transfers werden in guter analoger Tradition in einer dreisprachigen Anthologie präsentiert. Herausgegeben von Thomas Wohlfahrt, Alexander Gumz und Karolina Golimowska.

  7. Paul-Henri Campbell »innere organe«

    Nach nach den narkosen erscheint mit innere organe Paul-Henri Campbells neuer Gedichtband. Darin wendet sich Paul-Henri Campbell erneut dem Körper zu. Der Kreis Haut tastet mit mehreren Texten nach einem Lexikon der Sinne, der Hüllen und Schalen und steht einer Serie an Litaneien gegenüber, die mit einer Technik der Listen und Loops versuchen, den verborgenen inneren Organen eine poetische Präsenz im Sehen und Hören zu verschaffen. Diese Körpergedichte, entstanden in den ersten Monaten der Covid-19-Pandemie, stellen der allgemeinen Tendenz die expressive Wucht der Poesie entgegen.

  8. Ré Soupault »Geistige Brücken«

    Nachdem Bauhaus-Schülerin Ré Soupault 1948 aus Amerika zurückkommen war, lebte sie bis 1958 in Basel. Dort begann sie neben ihrer Arbeit als Übersetzerin mit dem Schreiben von Radio-Essays. Sie beschäftigte sich mit historischen und aktuellen Themen: westliche und östliche Philosophien, die Emanzipation der Frau, Freiheitsideen, Portraits von Schriftstellern aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die Folgen des Ersten Weltkriegs. Ihre Essays zeichnen sich durch fundierte Recherchen, Esprit und einen klaren Stil aus, der sie zu einem Leseerlebnis werden lässt.